Tesla-Briefe in „unserer“ Bibliothek aufgetaucht

In feiner kyrilisch-serbischer Handschrift geschrieben: Brief von Nikola Tesla. Foto: Adligat

In feiner kyrilisch-serbischer Handschrift geschrieben: Brief von Nikola Tesla. Foto: Adligat

Wie viele andere Organisationen und Privatpersonen unterstützt unser Verein Adligat, die Bibliothek des Viktor Lazić in Belgrad. Nun tauchten unter den vielen gespendeten Büchern zwei Originalbriefe des kroatischen Elektro-Pioniers Nikola Tesla auf.

Im September 2019 gibt es wieder die Möglichkeit, Bücher für dieses interessante Bibliotheks-Projekt zu spenden.

In seinem Buchmuseum aber auch in Privathäusern und Schulen lagern die Buchmassen, bevor sie registriert und zur Ausleihe freigegeben werden. In Belgrad und Umgebung ist der junge Rechtsanwalt mittlerweile gut bekannt. Er sammelt die Bücher, die andere sonst wegwerfen würden. Über eine Million Bände sind so in wenigen Jahren zusammengekommen.

Aus diesen Bananenschachteln voller angelieferter, geschenkter Bücher, hat Lazić nun zwei Briefe bezogen, von einem Sammler gespendet. Absender: Nikola Tesla. Poststempel: 28. Dezember 1934 und 12. Jänner 1935.

Darin schreibt der finanziell angeschlagene Erfinder, der in New York in einem Hotel lebt, an seinen Mäzen, den jugoslawischen Konsul Radoje Jankovic in New York. Er bittet um Geld. Tesla schreibt in geschliffenem serbischen Cyrilisch, was die Briefe wertvoll macht, üblicherweise bediente sich Tesla der lateinischen Schrift.

Tesla ist in Geldsachen immer noch erstaunlich naiv und schreibt  seinem Gönner, der offenbar auch nicht mehr ausreichend liquid ist: „Ich dachte, dass unser Konsul unlimitierte Beträge zu seiner Verfügung hätte“.

Jahrzehnte verschollen

Die Briefe seien zwei Jahrzehnte verschollen gewesen, erklärt der Sammler Viktor Lazić. Man habe von der Existenz in Fachkreisen gewusst, nun seien sie aufgetaucht. Lazić ließ die Echtheit von mehreren Gutachtern prüfen. Demnächst werden die Briefe öffentlich zugänglich gemacht.

Viktor Lazić: „In den Briefen schreibt Tesla an den jugoslawischen Konsul in New York über:

1) Die Gesundheit von  Michailo Pupin. Das ist ein weiterer serbisch-amerikanischer Wissenschaftler, auch einer der bedeutendsten Wissenschaftler der Welt, der Ferngespräche (Pupinspule, ohne die Graham Bells Telefon nur wenige Meter entfernt hätte benutzt werden können) und Sonar erfand. Es wird angenommen, dass diese beiden großen Männer aufgrund einiger Missverständnisse nicht gut miteinander auskamen, und einige Zeugen behaupteten sogar, dass Tesla auf dem Sterbebett der Pupina nach Überredung durch seine Freunde zu Besuch zur Pupina kam, wo sie wieder Freunde wurden, bevor Pupin starb. Aber die Briefe erzählen eine andere Geschichte: Einige Monate vor dem Tod der Pupine schreibt Tesla mit viel Liebe und Fürsorge um ihre Gesundheit und sagt, dass er Pupin im Krankenhaus besuchen möchte. Das sind neue und entscheidende Informationen über das Verhältnis dieser beiden Riesen der modernen Wissenschaft.

Der Erfinder Nikola Tesla – nach ihm wurde auch das gleichnamige Elektroauto benannt. Foto: Adligat

Der Erfinder Nikola Tesla – nach ihm wurde auch das gleichnamige Elektroauto benannt. Foto: Adligat

2) Tesla erwähnt Edison und dass, als Edison krank war, Tesla versuchte, ihm zu helfen, aber von den Ärzten nicht zugelassen wurde. Er erwähnt auch seine Theorie, was mit Edisons Gesundheit nicht stimmt. Die Beziehung zwischen Tesla und Edison ist ein äußerst interessantes Thema. Am Anfang arbeitete Tesla für Edison und half ihm, seine Firma zu entwickeln, aber Edison betrog Tesla und Tesla war sehr wütend darüber. Als Tesla neue Arten von Motoren und Elektrizität erfand, das 220-Volt-Wechselstrom-System, kämpfte Edison hart dagegen. Es war der so genannte „Krieg der Strömungen“. Edison versuchte zu beweisen, dass Teslas Strom für Menschen gefährlich ist, und erfand den elektrischen Stuhl, tötete Affen in den ganzen USA, um zu beweisen, dass das Tesla-System nicht verwendet werden sollte. Tesla hingegen beschloss, das Gegenteil zu beweisen und benutzte oft seinen eigenen Körper als Kabel – er hielt die Glühbirnen und Lichter in der Hand und entzündete sie in der Hand. Es gibt auch eine interessante Anekdote über den Teslas-Aufenthalt in Straßburg, wo Edison-Ingenieure fast einen deutschen Kaiser mit falschen elektrischen Anschlüssen getötet haben, und Tesla wurde eingeladen, das Problem zu beheben, aber aus den Briefen erfahren wir, dass Tesla am Ende des Edison-Lebens Edison noch helfen wollte.

3) Tesla konnte nicht gut mit Geld umgehen. Er verdiente mit seinen Erfindungen Millionen und gab sie alle für andere, weniger erfolgreiche Erfindungen aus. Am Ende hatte er nicht genug Geld für das tägliche Leben und erhielt eine Art Rente von der jugoslawischen Regierung. Aber selbst das reichte nicht aus und er lieh sich Geld vom jugoslawischen Konsul. Im Brief erwähnt er dies, aber als Konsul hatte er wahrscheinlich nicht genug Geld, um ihn zu leihen, Tesla sagt: „Ich dachte, dass unser Konsul über unbegrenzte Mittel verfügt.“

4) Die Buchstaben sind in sehr guter kyrillisch-serbischer Schrift geschrieben. Das ist sehr interessant und macht die Buchstaben außergewöhnlich selten. Tesla benutzte hauptsächlich das lateinische Alphabet, da er in die USA zog, als er noch sehr jung war und sein Leben die Wissenschaft war, und Kyrillisch wird in der Wissenschaft eigentlich nicht viel verwendet. Tatsächlich schrieb er sogar an seine serbischen Freunde manchmal Briefe auf Englisch. Aber er hielt es offensichtlich für wichtig, Briefe an Vertreter seiner Heimat in seiner Muttersprache zu schreiben. Die Briefe sind schön geschrieben und sie zeigen uns, dass er, obwohl es vorher nicht bekannt war, wahrscheinlich oft serbisch kyrillische Schrift verwendet hat, denn sonst wäre es nicht möglich, dass er sie in seinem Alter so gut schreibt.“

Für Adligat und Viktor Lazić sind also die Briefe zweifellos ein wertvoller Fund. Und sollen auch in Zukunft unterstreichen, dass diese Institution nicht nur Bücher sammelt, sondern auch Werte aus der Wissenschaft und der Literatur schaffen – und bewahren – möchte.

Wenn auch Sie die Büchersammlung unterstützen wollen, so gibt es die Möglichkeit ein Spendenabo zu lösen und/oder Bücher zu spenden. In Österreich veranstaltet unser „Verein für Energie-Autarkie“ dazu im September 2019 eine große Büchersammlung.

 

 

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