Wolfgang Löser: „Wir müssen radikal umdenken!“

Nicht die Renditen, sondern größtmögliche Autarkie und ein gutes Leben seien entscheidend, erklärte Autarkie-Vorreiter Wolfgang Löser bei unserem sehr gut besuchten Vereins-Abend in Bisamberg (auf dem Foto neben Charlotte Geske als 2. v. links. Neben ihm Vereinsvorstand Herbert Starmühler und Johann Schüsseleder aus Kleinengersdorf).
Der Saal war fast etwas zu klein gewählt – denn das Interesse für das Meeting des „Vereins für Energie-Autarkie“ war so groß, wie man es sich in der Urlaubszeit nicht erwarten konnte. Mitglieder und „Schnupperer“ kamen aus vielen Ortschaften und aus Wien, um sich über Photovoltaik, Bio-Sprit und Energiespeicher auszutauschen. Auch mehrere Vertreter von Eurosolar rund um Stammtisch-Koordinator Franz Niessler warn gekommen.

Hier das Protokoll in Stichworten:

Verein für Energie-Autarkie
Protokoll der Sitzung vom 18.7.2012

18 Uhr interne Diskussion, 19 Uhr offizieller Beginn

Anwesend: Ehrengast Wolfgang Löser, sehr gut besucht, ca. 30-40 Leute. Unter anderem: Prominenz aus Politik und Wirtschaft, Gemeinderäte Bisamberg, Landtags-Abgeordneter Benno Sulzberger, FP. Entschuldigt hatten sich u.a. Landesrat Stephan Pernkopf, ÖVP, BR Elli Kerschbaum, Grüne Korneuburg, Bgm. Christian Gepp, ÖVP Korneuburg, GGR Günter Trettenhahn, ÖVP Bisamberg.

Agenda:
–      Wolfgang Löser – „Der energiautarke Bauernhof“
–      Bio-Lebensmittel
–      Photovoltaik-Exkursionen
–      Verkehrsprogramm
–      Stromsparen.

Einleitende Worte von Obmann Herbert Starmühler zu den Protesten gegen Atompolitik in Fukushima, über negative Zinsen und die Angst der Menschen um ihr Geld und den bemerkenswerten Photovoltaik-Zubau-Boom in Österreich.

Vortrag Wolfgang Löser:

Er betreibt als Nebenerwerbslandwirt seinen 60 ha großen Bauernhof seit 10 Jahren energieautark. Strom wird mittels PV-Anlage (3 kwp; Invest damals 18 TEUR) seit 2003 selber produziert. Anfangs gab es Schwierigkeiten mit EVU (Stromzähler liefen rückwärts). Treibstoff für Traktoren und Mähdrescher wird aus Sonnenblumen selber hergestellt, gepresst.

Sein damals neu angeschaffter Traktor (Steyr CVT, Invest ca. 50 TEUR) wurde umgerüstet und fährt seit 10 Jahren problemlos mit Pflanzenöl, er verwendet 1-Tank-Technik (Öl wird vor der Einspritzpumpe erhitzt und ist damit dünnflüssiger)

Seit 18 Jahren betreibt Wolfgang Löser Sonnenkollektoren zur Warmwassererzeugung. Seit 8 Jahren nutzt er es auch als Heizungsunterstützung. Seitdem ist der Bedarf an Heizgut von 60qm auf  20 qm pro Jahr zurückgegangen.

Anhand von Beispielen schildert Löser anschaulich die veränderten Bedingungen für Nahrung und Energie:

In den 70er Jahren erhielt er für 1 Kilo Weizen 1 Liter Diesel, heute benötigt er 7-10 kg Weizen für1 Liter Diesel. Es geht nicht um Rendite sondern Versorgungssicherheit.

Er schildert ausführlich warum es sinnlos ist Biomasse/Nahrung zu verheizen um Strom zu erzeugen, da dabei die  Wärme verschwendet wird.

Das Thema Energiespeicher wird lebhaft diskutiert.

Landtagsabgeordneter Benno Sulzberger ergreift das Wort und meint: miteinander statt gegeneinander heißt die Devise, man dürfe sich nicht auseinanderdividieren lassen.

Marisa Knogler vom Bezirks-Blatt berichtet von Großmugl, die dort begonnene Gemeinschaftsanlage sei „beispielhaft“ .

Lebensmittel aus der Region

Nahrung-Transporte, regionale vs. globale Lebensmittel. Plus: Bio-Produkte.

Was machen wir konkret hier lokal ?
Unser Mitglied Maria Strasser kümmert sich um erste Umsetzungen:

– Isabella Stranzl ist sehr aktiv bei bioprodukten
– Problem ist Verteilung, die Logistik
– ohne Engagement wird’s nicht gehen
– Food Cooperation als Idee, Bsp. 15. 18. in Wien,
– Konsumentenbewußtseinsbildung ist wichtig, Info Material erstellen (Beschluss) …

– 4. Aug.: Kräuterwanderung noch Plätze frei

Energiesparen:

Karl Urban, Leiter der Stromspargruppe des Vereins, präsentiert Entwürfe eines Würfels, heftige Diskussion. Der Würfel trägt Sparbotschaften, die auf den Tischen von Heurigenlokalen verteilt werden können. Die Umsetzung (ob Würfel oder Dreieckständer) ist noch in Diskussion. Herbert Starmühlers Verlag wird einen grafischen Entwurf beisteuern und mit der Strospargruppe abstimmen.

Herbert  Starmühler erklärt aktuellen Stand der PV-Aktivitäten:

–      PV Beteiligung 400 kwp in Kleinengersdorf – nach über 5 Monaten dürfte es bald soweit sein, dass das Land die elektrizitätsrechtliche Bewilligung gibt. Bald darauf könnten wir bei der ÖMAG einreichen.
–      Florian Berndl is standby: Verrohrung am Dach für die Umrüstung ist vorgeshen, die Politik muss unsere Gemeinschaftsanlage erst genehmigen.
–      Bericht über Freistadt, Windhag: Der Verein hat sich über die derzeit größte PV-Gemeinschaftsanlage im „Energiebezirk Freistadt“ informiert. Dies ist ein Darlehensmodell, das von den Bürgern sehr gut angenommen worden ist.

Allfälliges:

–      einige Termine und Wortmeldungen – z.B. Windpark-Baustellen-Besichtigung
–      Verkehrskonzept/Neuigkeiten wurden auf die nächste Sitzung verschoben
–      Eisenbahnmuseum Schwechat lädt ein , Schwungrad – Fa. Rosetta 1.2. Sept. www.eisenbahnmusem.at

Ende offiziell um 20:51

Viele Anwesende nutzen die Möglichkeit mit Hr. Löser und anderen Anwesenden noch lange und ausführlich im sehr angenehmen und freundlichen Ambiente des Heurigen Friedberger zu diskutieren.

Protokoll: Alfred Wieshammer

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Eine Antwort auf Wolfgang Löser: „Wir müssen radikal umdenken!“

  1. Franz FRIEDRICH sagt:

    Veranstaltung war sehrinteressant – gratuliere! Wollte einige Fragen stellen, damit aber die dortige Diskussion nicht blockieren. Habe nicht verstanden, warum nicht ein neuerlicher Anlauf zur sofortigen Installation einer Photovoltaikanlage beim Florian-Berndl Bad (nur bessere Dachseite reserviert) unternommen wurde, wobei 2012 Invest-Fördeungsprogramm ausläuft und gerade zuletzt durch China-Konkurrenz Anschaffungskosten enorm zurückgegangen, welche bei früheren Berechnungen noch nicht berücksichtigt werden konnten. Neben Einseismöglichkeiten in das öffentliche Netz könnten auch die Entwicklungen der Speicherungen, die interessant diskutiert wurden, eine Rolle spielen.
    Beim Hinweis, dass die Beteiligung bei Freistadt auf einem Darlehensmodell beruht wäre noch interessant die dahinterstehende Gesellschaftsform. Darlehen kann jeder Private an Beriebe jedweger Gesellschaftsform unter Ausnützung des EST-Freibetrages von EUR 730 geben. Ich würde anregen, die Gründung einer Genossenschaft in diesem Zusammenhang näher zu untersuchen. Gerade in NÖ existieren zahlreiche Hackschnitzelanlagen in dieser Form – meines Wissens in Deutschland auch betreffend gemeinschaftlichen Sonnenenergieanlagen. Auch gilt für Genossenschaften auch nicht die Mindest- KÖST wie beispielsweise für eine GesmbH.