Was hat der Bürger von der Bürgeranlage?


Die Bürgermeister müssen sich die Frage gefallen lassen, was denn die Bürger selbst von einer Photovoltaik-Anlage auf dem Gemeindedach habe. Dies wurde vom „Verein für Energie-Autarkie“ lebhaft diskutiert.

Vereinsabend, 26.9.2012, Heuriger Moser, Kleinengersdorf. Anwesend: StR. Erik Mikura, Bernhard Haas, Walter Nitsch, Helmut Gube, Peter Sochor, Helmut Prinz, GR René Sellmeister, Franziska Rausch, Herbert Starmühler, Franz & Ingrid Niessler, Wolfgang Löser, Erwin Netzl, Walter Purth, Michael Strobl, Ludwig & Silvia Klim, GR Martin Kernreiter, Christoph Peissig, Josef Scharinger, Reinhard & Lore Thürr, Josef Fein, Michael Weidenauer, Franz Wührer, Annett Bartsch, Alfred Wieshammer, Heinz Netrwal, Johannes Hudek, Fanz Frank, Christian Stranzl, Michael Meschik, Karl Windisch, GR Elisabeth Prochaska, Karl Urban, Wolfgang Scheidl, Norbert Palecek, Reinhard Fritsch u.a.. Entschuldigt: Helmut Fitz, Peter Großkopf, Bgm. Fischer, LAbg. Benno Sulzberger, LR Stephan Pernkopf, Otto Rötzer.

Themen und Diskussionen:
Zu schnell und ohne Ausschreibung werden derzeit Dächer und Felder von Gemeinden zu Photovoltaik-Anlagen umfunktioniert. Dies war eine von vielen Wortmeldungen bei der Veranstaltung beim Heurigen Moser in Kleinengersdorf. Der große Andrang – der Saal war voll – zeigte, dass reges Interesse für alternative Energieformen besteht.

Der „Verein für Energie-Autarkie“ widmete einen Großteil des Abends den Photovoltaik-Bürgerbeteiligungsanlagen, die derzeit gerade in Mode kommen.

Vereins-Obmann Herbert Starmühler freute sich riesig über den Schwung, den dieses Thema aufnimmt: „Jedes Photovoltaik-Modul ist wichtig für die Energiewende – und wenn auch die großen Energieversorger auf den Zug aufspringen, so sei das durchaus erfreulich“.

Allerdings, so der Photovoltaikexperte Helmut Prinz (Vereins-Vizeobmann), sei es nicht unwesentlich, die Dinge auseinanderzuhalten: „Wenn Gemeinden ihre Dächer praktisch herschenken, so machen sie ein schlechtes Geschäft. Sie sollten vereinbaren, dass nach Ablauf der Investitions-Rückzahlung von 13-15 Jahren der Strom der Gemeinde zugute kommt.“

Es komme also darauf an, dass möglichst viel Ertrag (als Kilowattstunden oder als Euro) in der Gemeinde bleibt. Die Bürger fragen sich, was sie davon haben – und bekommen derzeit von einigen BürgermeisterInnen ausweichende oder keine Antworten.

Daher sei eine öffentliche Ausschreibung der Flächen sinnvoll – so bleibt das Optimum in der Gemeinde.

Neues Sparbuchmodell

Derzeit vergeben einige Bürgermeister die Dächer freihändig an die Elektroversorger (was vergaberechtlich mehr als fragwürdig ist). Diese bekommen das Dach, oder wie in Hagenbrunn auch ein Feld, gegen eine geringe Miete auf z.B. 30 Jahre. Damit fließt das Bürgergeld in eine Anlage, die ihnen nicht mehr gehört und deren Gewinne sie nicht erhalten. Die Bürger zahlen eine Art Anleihe (genannt Sales & Lease-Back) und bekommen bei entsprechend langer Behaltefrist 3 – 3,5 Prozent Zinsen. Die Bürgermeister schmücken sich mit einer „Guten Tat“, die Bürger schauen bisweilen ganz ordentlich durch die Finger – vor allem all jene, die nicht investieren können oder wollen.

Der Verein stellte ein neues Sparbuchmodell vor, das die Niederösterreichische Energieagentur kürzlich präsentiert hatte: Dabei bekommen die Bürger die Zinsen von z.B. 4 Prozent, die sich die Bank mit der Gemeinde ausmacht (die Bank behält sich 0,5 – 1 % Marge).

Der Vorteil: Das Geld aus der PV-Anlage gehört immer der Gemeinde.

Wolfgang Löser, Inhaber des ersten Energieautarken Bauernhofes (in Streitdorf), meldete sich mit dem Vorschlag zu Wort, die Gemeinden sollten sich einfach die Kilowattstunden vom Versorger gutschreiben lassen. Das wäre das Einfachste.

Walter Nitsch, der Vereinskassier, rief die Zuhörer dazu auf, jedenfalls nicht nur auf die Rendite zu schielen, sondern vielmehr an die Umwelt zu denken: „Wir sind es unseren Kindern schuldig“.

Schittenhelm lehnt Gespräch ab

Der Verein wird nun eine „Checkliste für Gemeinderäte“ vorbereiten, wie am besten bei der Verwertung von Dächern und Feldern vorgegangen werden sollte.

Welches Beteiligungsmodell der Verein beim privaten Photovoltaik-Feld in Kleinengersdorf vorschlägt, ist noch nicht festgelegt. Vereinsobmann Starmühler: „Wir warten nun einmal die Beurteilung der Einsprüche ab“.

Die Bisamberger Bürgermeisterin Dorothea Schittenfeld hat ja Einspruch gegen die Anlage eingelegt (u.a. wegen der Blendgefahr für Flugzeuge). Der Verein suchte daraufhin um ein Gespräch an, das hat die Bürgermeisterin abgelehnt.

Dass dieser Einspruch „politisch motiviert“ sei, wie eine Wortmeldung lautete, glaubt Vereinsobmann Starmühler nicht. Eher dürfte die Ortschefin noch nicht ausreichend informiert sein. „Wir werden das aber gerne tun und hoffen auf eine weitere Beschleunigung beim Umstieg zur Energiewende“.